Forschungszulage Medizintechnik: Entwicklung zählt, Zulassung nicht
Neue Sensoren, Medizinprodukte oder diagnostische Verfahren entwickeln? Die Forschungszulage kann Ihre Entwicklungsarbeit fördern, wenn Neuheit, technisches Risiko und systematisches Vorgehen nachweisbar sind. Prüfen Sie unten die Tätigkeiten und ihre Abgrenzung zur Routine.
- Förderquote bis 35 %
- Vor MDR/IVDR-Zulassung förderfähig
- Rückwirkend für offene Jahre
Medizintechnik: Signale besser nutzen
Neuer AnsatzUltraschallenergie im anatomischen Schnitt führen
Offene FrageWelche Energie erreicht die relevante Struktur?
VersuchSignalweg und Gewebetiefe variieren
In der Medizintechnik entscheidet die technische Frage, nicht die Risikoklasse nach MDR.
Die Bescheinigungsstelle bewertet nicht, in welche Klasse ein Produkt nach MDR fällt, sondern ob eine technische Frage vorab offen war und systematisch beantwortet wurde. Ein MedTech-Hersteller verliert seinen Antrag selten an der Technik, meistens daran, dass reine Zulassungsarbeit und Entwicklung im selben Vorhaben stehen.
Fördersätze, Kosten und Grenzen
Das Wichtigste zur Forschungszulage in der Medizintechnik
Welche Tätigkeiten in der Medizintechnik sind förderfähig?
Die Zulassungsklasse entscheidet nicht über die Förderfähigkeit. Die Bescheinigungsstelle prüft jedes Vorhaben gegen drei Kriterien: Neuheit, Technisches Risiko, Systematik. Fällt eines aus, fällt der Antrag. Unten stehen die Tätigkeiten, die uns bei Medizinprodukteherstellern am häufigsten begegnen, mit dem Befund, den wir dazu erwarten.
Abgrenzung: Die Förderfähigkeit hängt vom konkreten Vorhaben ab.
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Produktentwicklung & Wirkprinzip
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Neues Wirkprinzip mit unbekanntem Regelverhalten unter physiologischer LastFörderfähig
Förderfähig. Neuheit: Kein am Markt verfügbares Gerätekonzept erreicht die geforderte Regelgüte bei der geforderten Störgröße, hier eine sprunghafte Änderung der Lungenmechanik. Technisches Risiko: Ob die Regelabweichung innerhalb der Zielmarke bleibt, steht vor Modellbildung, Simulation und Prüfstand nicht fest. Systematik: Sensorik, Schätzmodell, Regler, Messreihe, Iteration, belegt durch Verifikationsprotokolle nach IEC 62304.
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Portierung eines bewährten Wirkprinzips auf eine neue ProduktlinieAbgrenzung
Abgrenzung. Routine, solange die physiologischen Randbedingungen übertragbar sind. Förderfähig wird es, wenn Regelgüte, Sensorauflösung oder Materialverträglichkeit bei der neuen Anwendung nachweislich nicht mehr aus dem bestehenden Auslegungswissen folgen. Der Beleg ist die Messung, die zeigt, wo das alte Wirkprinzip versagt.
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Variantenentwicklung für ein Patientenkollektiv außerhalb des bisherigen AnwendungsbereichsAbgrenzung
Abgrenzung. Förderfähig ist der Teil, für den keine gesicherte Auslegung existiert und der im Versuch geklärt wird. Nicht förderfähig ist das Anpassen bekannter Varianten innerhalb der bestehenden Zulassung, auch wenn es Wochen an Dokumentation kostet.
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Anpassungsentwicklung nach Lastenheft im bekannten RahmenNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Schnittstellen, Gehäusevarianten, Zubehör: Das Ergebnis ist vor Beginn bekannt, das Vorgehen dokumentiert. Aufwand ist kein Kriterium des FZulG.
Software als Medizinprodukt & Algorithmen
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Eigenes Schätz- oder Regelmodell, das technisches Risiko trägtFörderfähig
Förderfähig. Wer ein Modell entwirft, weil Standardregler die geforderte Genauigkeit oder Reaktionszeit nicht erreichen, muss zwangsläufig begründen, warum. Damit ist der Stand der Technik benannt. Halten Sie die verworfenen Modellansätze und ihre Messwerte fest, das ist später der tragende Nachweis.
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KI-gestützte Diagnostik mit offener Sensitivität und Spezifität vor dem TrainingFörderfähig
Förderfähig. Ob ein Modell die geforderte diagnostische Güte am Zieldatensatz überhaupt erreichen kann, ist vorab offen. Trainingsläufe, Validierungsmetriken und Ablationsstudien über Iterationen sind hier Systematik und technisches Risiko in einem.
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Portierung eines bestehenden Algorithmus auf eine neue GerätegenerationAbgrenzung
Abgrenzung. Förderfähig, wenn das Verhalten des Algorithmus unter neuer Sensorik oder Rechenhardware ungeklärt ist und im Versuch erarbeitet wird. Routine, wenn Schnittstellenspezifikation und Portierungsleitfaden den Weg vorgeben.
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Software-Implementierung nach Spezifikationsdokument, UI-Anpassung, KonfigurationNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Vorgesehener Gebrauch der Entwicklungsumgebung. Erst wenn die Spezifikation die Anforderung nachweislich nicht abbildet und ein eigenes Verfahren daneben entsteht, liegt eine offene technische Frage vor.
Werkstoffe, Biokompatibilität & Fertigung
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Neuer Werkstoff oder neue Beschichtung mit offener Langzeit-BiokompatibilitätFörderfähig
Förderfähig. Zytotoxizität, mechanische Ermüdung und Abbauverhalten stehen in Zielkonflikt und sind messbar. Damit ist das technische Risiko quantifizierbar, die stärkste Ausgangslage, die ein Antrag haben kann.
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Additiv gefertigte Implantate mit offener Dauerfestigkeit unter physiologischer LastFörderfähig
Förderfähig. Ob die anisotropen Eigenschaften des schichtweise aufgebauten Werkstoffs die geforderten Werte unter zyklischer Last im Körper erreichen, ist vor der Prüfreihe nicht bestimmbar. Die Versuchsreihe über Parameter, Nachbehandlung und Ermüdungsprüfung ist Ihr Systematik-Nachweis.
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Prozessoptimierung an einer bestehenden FertigungslinieAbgrenzung
Abgrenzung. Förderfähig, sobald ein Zielwert gefordert ist, den der bekannte Prozess gemessen nicht erreicht, und die Ursache vorab unklar ist. Ohne diese Messung liest die Bescheinigungsstelle nur eine anspruchsvolle Anforderung, und anspruchsvoll ist kein Kriterium des FZulG.
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Lieferanten- oder Materialwechsel mit Einfahren nach FreigabespezifikationNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Auch aufwendiges Requalifizieren bleibt Inbetriebnahme. Der Weg ist dokumentiert, das Ergebnis vorhersagbar.
Prototyp, Verifikation & klinische Bewertung
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Klinische Studie zur Erprobung eines neuen Wirkprinzips oder einer neuen Technologie, mit Messplan und AbbruchkriterienFörderfähig
Förderfähig. Der klarste Fall in dieser Gruppe. Wer vorab festlegt, was gemessen wird und wann die Studie als gescheitert gilt, hat Systematik und technisches Risiko bereits dokumentiert, bevor die Bescheinigungsstelle danach fragt.
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Verifikations- und Validierungsprotokolle nach IEC 62304 an einem neuen SoftwaremodulAbgrenzung
Abgrenzung. Förderfähig ist der Anteil, in dem ein zuvor nicht beherrschtes Verhalten erst durch die Prüfreihe erarbeitet wird, belegt durch Änderungsstände und Testprotokolle. Das reine Abarbeiten der Prüfmatrix nach Norm ist Routineverifikation.
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Klinische Bewertungsstudie ausschließlich zum Nachweis von Sicherheit und Leistung für die CE-KennzeichnungNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Notwendige und oft aufwendige Arbeit, aber kein Erkenntnisgewinn im Sinne des FZulG, wenn das Wirkprinzip bereits etabliert ist. Sie belegen ein Ergebnis, das technisch feststeht.
Digitale Gesundheitsanwendungen & Konnektivität
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DiGA mit eigenem digitalem Therapiemechanismus und offener WirksamkeitFörderfähig
Förderfähig. Ob ein digitaler Interventionsmechanismus die geforderte therapeutische Wirkung beim Zielkollektiv erreicht, ist vorab offen. Die Studie über mehrere Iterationen mit vordefinierten Endpunkten ist der Nachweis.
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Anbindung von Bestandsgeräten mit unklarer Signal- und Datenqualität für ein neues Monitoring-KonzeptAbgrenzung
Abgrenzung. Förderfähig, wenn belegt ist, dass die verfügbaren Signale die geforderte klinische Aussage nicht tragen und eigene Verfahren zur Aufbereitung entwickelt werden mussten. Reines Verkabeln, Protokoll-Mapping und Dashboards sind Integration.
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Einführung von Klinik-IT-Standards, HL7/FHIR-Schnittstellen oder Dashboards nach SpezifikationNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Auch anspruchsvolle Integrationsarbeit bleibt Integration. Die Standards sind für genau diesen Zweck gebaut, der Weg ist dokumentiert, das Ergebnis vorhersagbar.
Was regelmäßig abgelehnt wird
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Technische Dokumentation für die MDR, Notified-Body-Kommunikation, Post-Market-SurveillanceNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Reine Zulassungsarbeit, deren Ergebnis feststeht. Ausnahme ist die vorgelagerte F&E-Phase, in der eine technische Lösung erst erarbeitet wird. Dann beantragen wir diesen Teil, nicht die Zulassungsdokumentation.
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Audits, Konformitätsbewertungsverfahren, Zertifizierung durch die Benannte StelleNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Pflichtarbeit nach MDR/IVDR, deren Ergebnis feststeht. Die dabei entstehenden Prüfberichte können aber als Nachweis für ein förderfähiges Vorhaben dienen.
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Lohnfertigung und Zulieferung von Komponenten ohne eigenes EntwicklungsrisikoNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Wer nach fremder Spezifikation fertigt, trägt kein technisches Risiko. Anders liegt der Fall, wenn der Zulieferer die Komponente selbst entwickelt und für ihr Verhalten einsteht.
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Varianten-, Größen- und Farbpflege im bestehenden ProduktportfolioNicht förderfähig
Nicht förderfähig. Das Ergebnis steht vorher fest: derselbe Funktionsumfang in neuer Ausprägung. Wird von Beratern gelegentlich mit eingereicht und zieht dann das ganze Vorhaben in die Prüfung.
Ihr Vorhaben steht nicht dabei oder liegt zwischen zwei Zeilen? Das ist der Normalfall, die Abgrenzung entscheidet sich am konkreten Sachverhalt, nicht an der Überschrift. Schildern Sie uns das Vorhaben, wir sagen Ihnen, wo es steht.
Welche Nachweise verlangt die BSFZ in der Medizintechnik?
Medizintechnikhersteller führen für die Forschungszulage praktisch nie ein zusätzliches System ein, sie haben die Belege längst, weil IEC 62304 und ISO 13485 sie ohnehin verlangen. Wir werten aus, was da ist, und ordnen jede Quelle dem Kriterium zu, das sie trägt.
| Quelle | Was sie belegt | Kriterium |
|---|---|---|
| Design History File | Die Design History File dokumentiert Entwurf, Verwerfen und Neuansatz über die gesamte Entwicklung, der stärkste Beleg für experimentelle Entwicklung, den ein Medizinprodukthersteller liefern kann. | Systematik · Technisches Risiko |
| Risikoanalyse nach ISO 14971 | Die Risikoanalyse benennt technische Restrisiken, die vor Beginn nicht ausgeschlossen werden konnten, und die Maßnahmen, mit denen sie systematisch geprüft wurden. | Technisches Risiko |
| Verifikations- und Validierungsprotokolle | Abgebrochene Testläufe und Messreihen datieren, was wann geprüft und woran es gemessen wurde. Ein nicht bestandener Testlauf ist kein Makel; er belegt das offene Ergebnis. | Systematik · Technisches Risiko |
| Software-Versionsstände · Änderungshistorie | Versionsstände zeigen Versuch, Verwerfen und Neuansatz im Algorithmus, genau die Information, mit der sich der Stand der Technik belegen lässt. | Neuheit |
| Usability-Tests · formative Studien | Protokolle formativer Usability-Studien halten fest, wo ein Bedienkonzept unsicher war und welche Annahme geprüft werden musste. Selten für die Forschungszulage gelesen, oft entscheidend für das technische Risiko. | |
| Prüfberichte externer Prüflabore | Prüfberichte vor und nach einer Konstruktionsänderung belegen den Unterschied zwischen Routineprüfung nach Norm und dem Erarbeiten eines vorher unbekannten Verhaltens. | Abgrenzung |
| Zeiterfassung · Projektstunden | Für den Finanzamtsantrag zählt die Stunde. Wir legen eine vorhandene Erfassung auf die Vorhaben um, statt ein Parallelsystem einzuführen. | Kostenseite |
| Klinische Bewertungsberichte | Klinische Bewertungen, die primär der Erkenntnisgewinnung über ein neues Wirkprinzip dienen, dokumentieren den experimentellen Charakter, wenn sie Iterationen abbilden, nicht nur die Sicherheits- und Leistungsbestätigung. | Systematik |
Der häufigste Fehler in begleiteten Anträgen ist ein nachträglich konstruierter Entwicklungsprozess mit Phasen, die es bei Ihnen nie gab. Ihre echte Design History File und Ihre Verifikationsprotokolle sind der bessere Nachweis, sie liefern ein lückenloses, datiertes Protokoll der Vorgehensweise.
Was kommt dabei heraus?
Zwei gerechnete Fälle für Vorhaben, die nach dem 31.12.2025 begonnen haben, einmal zum KMU-Satz von 35 %, einmal zum Regelsatz von 25 %.
MedTech-Startup, 35 Mitarbeiter · KMU
Arbeitgeberbrutto, 8 Entwicklungsingenieure und Softwareentwickler: 680.000 €. Acht Entwicklungsingenieure und Softwareentwickler an einer KI-gestützten Diagnosesoftware, F&E-Anteil über Projektstunden belegt, dazu ein vergebener Prüfauftrag an ein externes Prüflabor
Pro Jahr. Über drei offene Wirtschaftsjahre rückwirkend beantragt liegt die Summe in derselben Größenordnung — ohne Gemeinkostenpauschale, weil das Vorhaben vor 2026 begonnen hat und mit dem Regelsatz von 25 % für 2023 (§ 4 Abs. 1 FZulG).
Medizinprodukthersteller, 280 Mitarbeiter
Arbeitgeberbrutto, 25 Entwickler: 2.250.000 €. Fünfundzwanzig Entwickler an einer neuen Implantatgeneration mit klinischer Bewertung, kein KMU. Regelsatz 25 %, Auftragsforschung an eine Universitätsklinik
Pro Jahr. Die Bemessungsgrundlage ist bei 12 Mio. € gedeckelt, maximal 3,0 Mio. € Zulage im Regelsatz, 4,2 Mio. € als KMU.
Als Faustzahl: Ein Entwicklungsingenieur mit 85.000 € Arbeitgeberbrutto, der zur Hälfte an förderfähigen Vorhaben arbeitet, bringt rund 17.850 € Forschungszulage im Jahr (KMU-Satz, mit Gemeinkostenpauschale — das Vorhaben beginnt nach dem 31.12.2025). Gedeckelt ist das Ganze bei einer Bemessungsgrundlage von 12 Mio. € und einer Zulage von 4,2 Mio. € pro Jahr. Zum Rechner Vergleichswerte aus begleiteten Anträgen stehen bei den bewilligten Vorhaben.
Die Abgrenzungsregeln zwischen F&E und Zulassungsarbeit, die Nachweisquellen aus IEC 62304 und ISO 13485, als PDF.
Was Medizintechnikhersteller uns am häufigsten fragen
Wie wird aus Ihrer Dokumentation ein Antrag?
Ihre Versuchsprotokolle und Ihre Verifikationsdokumentation nach IEC 62304 dokumentieren bereits alles, was die Bescheinigungsstelle sehen will, nur in einer anderen Sprache. Hier ist derselbe Sachverhalt in vier Registern, vom Prüfstandsprotokoll bis zum Antragssatz.
Im Versuchsfeld — Was ohnehin geschrieben wird
Beatmungsgerät AVR-210, Messreihe 2 Tidalvolumen-Abweichung 9 % nach Compliance-Sprung // Ziel < 5 % in 3 Atemzügen, Schätzer springt - Flusssensoren ...... 2 Stück - Filterstufe ......... v2, IIR - Messreihe 3 ........ 3,5 % / 3 Atemzüge ok
Im Gespräch — Was das Team dazu sagt
Fachlich vollständig und als Antragstext wertlos. Es fehlt jeder Bezug zum Stand der Technik und zur Messgröße.
Bei der BSFZ — Was tatsächlich geprüft wird
- Neuheit
- Technisches Risiko
- Systematik
Zu jedem der drei Kriterien muss der Antrag eine prüfbare Aussage enthalten. Beschrieben wird der Erkenntnisgewinn auf dem Weg zum fertigen Gerät.
Im Antrag — Was wir daraus formulieren
„Für die adaptive Regelung des Tidalvolumens über eine laufende Schätzung der Lungenmechanik lag kein Gerätekonzept vor, dessen Regelabweichung nach einer sprunghaften Compliance-Änderung unter der geforderten Toleranz von 5 % innerhalb von drei Atemzügen belegt war. Ob sich das Schätzmodell so weit stabilisieren lässt, war vorab nicht bestimmbar. Das Vorhaben ermittelte dies in drei Messreihen gegen eine definierte Zielmarke, dokumentiert nach IEC 62304.“
Woran scheitern Anträge in der Medizintechnik?
Abgelehnte Vorhaben aus der Medizintechnik scheitern selten an ihrer Technik. Sie scheitern an fünf wiederkehrenden Mustern, und die sehen wir bei Eigenanträgen genauso wie bei extern begleiteten.
Der Stand der Technik fehlt
Der Antrag beschreibt, was gebaut wurde, nicht, warum es mit dem Verfügbaren nicht ging. Ohne benannte Wettbewerbsprodukte, Normen oder etablierte Wirkprinzipien kann die Bescheinigungsstelle keine Neuheit feststellen. Das ist in unseren Mandaten der häufigste Grund.
Zulassungsarbeit wird als Vorhaben eingereicht
Technische Dokumentation für die MDR ist nicht per se ausgeschlossen, aber ein Antrag über „die Zulassung“ zwingt die Bescheinigungsstelle, Regularienarbeit und Entwicklung gemeinsam zu bewerten. Die Routineanteile ziehen das ganze Vorhaben herunter.
Regulatorisches Risiko statt technisches Risiko
Zulassungsdauer, Notified-Body-Kapazität und Marktzugangsfristen sind keine technischen Risiken. Wer so argumentiert, beschreibt ein regulatorisches Problem und bekommt es als solches beschieden.
Der Prototyp wird als Produkt beschrieben
Der Antrag liest sich wie ein Datenblatt: Sensitivität, Spezifität, Akkulaufzeit. Die Bescheinigungsstelle sucht aber den Weg dorthin, die Versuche, die nicht funktioniert haben, und die Messung, die den Unterschied belegt.
Kostenseite und Sachverhalt passen nicht zusammen
Die BSFZ bescheinigt das Vorhaben, das Finanzamt prüft die Kosten. Wer Materialkosten für den Prototyp ansetzt oder Stunden, die der Vorhabenbeschreibung widersprechen, verliert im zweiten Schritt, nach bereits erteilter Bescheinigung.
Liegt bei Ihnen bereits eine Ablehnung vor, ist der erste Schritt die Analyse des Bescheids: welcher der fünf Punkte trägt die Entscheidung. Davon hängt ab, ob Widerspruch oder Neuantrag der richtige Weg ist.
Welche weiteren Branchen nutzen die Forschungszulage?
Die Branche entscheidet nie über die Förderfähigkeit, § 2 FZulG tut das. Diese Seiten zeigen dieselben drei Kriterien an den Tätigkeiten des jeweiligen Fachs.
- Maschinenbau — Konstruktion, Versuch, Inbetriebnahme
- Automotive — Antrieb, Batterie, Fahrfunktion
- Pharma & Life Sciences — Wirkstoff, Formulierung, Bioprozess
- Bauindustrie — Bauverfahren, Baustoff, Bauteilversuch
- Energie & Cleantech — Zelle, Speicher, Netzregelung
- Luft- & Raumfahrt — Struktur, Antrieb, Avionik
- Agrar & FoodTech — Verfahren, Rezeptur, Feldversuch
- Software & IT — Algorithmus, Modell, Architektur
Schicken Sie uns eine Design History File, keinen Fragebogen
Im Erstgespräch reden wir über Ihr Produkt, nicht über Ihre Rechtsform. Nach dreißig Minuten wissen Sie, welcher Teil Ihrer Entwicklung förderfähig ist, in welcher Größenordnung, und ob sich ein rückwirkender Antrag lohnt. Das Erstgespräch ist kostenlos; 30 % des Honorars werden mit dem BSFZ-Bescheid fällig, 70 % erst nach der Auszahlung.
Erstgespräch vereinbarenWeiterlesen
- Der FZulG-Antrag in zwei SchrittenBSFZ-Antrag und Finanzamtsantrag: Reihenfolge, Fristen, Bearbeitungsdauer.
- Forschungszulage berechnenPersonalkosten, F&E-Anteil und Auftragsforschung eingeben, Betrag ablesen.
- Welche Personalkosten zählenArbeitgeberbrutto, anteilige Zuordnung und was bei Werkstudenten und Freelancern gilt.
- Zeiterfassung für F&E-StundenWie eine vorhandene Erfassung finanzamtsfest auf Vorhaben umgelegt wird.
- BSFZ-Ablehnung erhaltenBescheid lesen, Ablehnungsgrund bestimmen, zwischen Widerspruch und Neuantrag entscheiden.
- Bewilligte VorhabenAnonymisierte Fälle aus Software, Maschinenbau und Medizintechnik mit Beträgen.
- Forschungszulage für Pharma & Life SciencesWirkstoffforschung, klinische Studien und Prozessentwicklung als F&E-Vorhaben.
- Forschungszulage für Software & ITWenn Ihre Diagnosesoftware auf eigener Algorithmenentwicklung aufbaut: die Abgrenzung zur Standardsoftware.
Max Nodes
Gründer und Geschäftsführer von NOVARIS Consulting. Spezialisiert auf die steuerliche Forschungsförderung (FZulG) seit 2021; 25 von 25 begleiteten BSFZ-Anträgen bewilligt (Stand 09/2026). Max Nodes